St. Georgius-Gilde 1592 Goch e.V.

                                                                                              

Fahne der Gilde

Fahne als Symbol der Ehre und Gemeinschaft

Die Fahnen, seien es offizielle Fahnen, Kirchenfahnen oder Vereinsfahnen, genießen  seit langer Zeit Achtung und Ehrerbietung. Im frühen Mittelalter hielt die Fahne als Zeichen der Zusammengehörigkeit und Wehrhaftigkeit Einzug bei Bürgerwehren und Schützengilden. Für Schützen ist die Vereinsfahne ideell und materiell etwas Besonderes, sie ist ein eigenständiges Erkennungszeichen. Nur weinige Gegenstände kommen zu einer vergleichbaren Wertung.  

In der Geschichte der Gilde hat die Vereinsfahne immer einen eigenen Platz eingenommen. Schon in den Statuten von 1592 ist verzeichnet, „dat Fendelen in eehren tho halden ock dat alde gebruck sij “ (die Fahne in Ehren zu halten, weil das so alter Brauch ist) und dass Unstimmigkeiten unter den Schützen beizulegen sind, bevor mit der Fahne aufgezogen wird.  

Das die Fahne etwas besonderes ist, wird auch durch eine Fahnenweihe hervorgehoben wird. Die Fahnenweihe ist eine mit einem kirchlichen Akt verbundene Zeremonie vor der Übergabe an den Fahnenträger. Fahnenträger waren und sind Mitglieder, an die besondere Anforderungen gestellt wurden. Es gilt ihnen einen Dank auszusprechen dafür, dass sie zur Verfügung stehen wenn die Gilde mit der Fahne aufzieht. Eine Verbundenheit mit der Kirche wir dargestellt, das während der feierlichen Festgottesdienste die Fahne am Altar aufgestellt wird und bei der Wandlung wie beim Segen, als äußeres Zeichen einer christlichen Verbundenheit, gesenkt wird.  

Teilweise ausführlich wird in der Gildenchronik über anstehende Erneuerungen bzw. Renovierungen der Gildenfahnen berichtet:

Im Protokollbuch der Gilde wird 1647 angeführt, dass mit Trommelschlag und „fliegende Vandelen“ Friedrich Wilhelm Churfürst von Brandenburg in der Stadt empfangen wird.

1660 war das „fandelen“ abgetragen, beschädigt und unansehnlich, es wurde beschlossen eine neue Fahne zu beschaffen.

„Faendrick Kerkmester Peter Langen“  stiftete 1711 eine neue Fahne mit der Aufschrift „PRO DEO REGE ET PATRIA“ (Für Gott, König und Vaterland).


 

Ansprache zur Fahnenweihe der St. Georgius- Gilde 1592

27.04.2002 

 

Liebe Gildenfamilie, verehrte Gäste!  

Aus Anlass des seltenen Festes der Fahnenweihe habe ich ein paar Gedanken und Fakten zum Thema "Fahnen" zusammengetragen, die ich Ihnen und Euch gerne (in aller Kürze) vortragen möchte und bitte dazu um Eure Aufmerksamkeit.  

"Flagge zeigen"  

"Seid stolz, ich trage die Fahne", sagte der blutjunge Fähnrich zu den Kameraden, " seid ohne Sorge, denn ich trage die Fahne!"

Fahnen, Feldzeichen und Standarten spiegeln die Geschichte eines Volkes wieder, denn die Fahnen sind ihre lebendigen und anschaulichen Symbole. Die Fahnen, seien es Nationalfahnen, Kirchenfahnen oder Vereinsfahnen sind Ausdruck innerer, staatlicher, religiöser, militärischer, parteipolitischer, sportlicher oder sonstiger Zusammengehörigkeit. Zu allen Zeiten brachte man der Fahne Ehrfurcht entgegen. Man weihte sie und ließ über sie den Segen sprechen. Man leistete den Fahneneid und bekräftigte den Schwur der Treue durch Berührung der Fahne. Die Fahne als Symbol verpflichtet unmittelbar, überliefert die Vergangenheit und weist in die Zukunft.  

Die älteste bekannte Fahne ist auf einem ägyptischen Relief, 1500 v. Chr., abgebildet und zeigt eine Abteilung von Soldaten, deren Flügelmann einen kleinen Wimpel trägt.  

Im römischen Reich und auch bei den Rittern im Mittelalter zeigte man die Flagge im Kampfe. Die Fahnen dienten dazu militärische Verbände zu unterscheiden. Der Gewinn der feindlichen Fahne bedeutete höchste Ehre, der Verlust der eigenen schmachvollen Niederlage.  

Die starke Bindung der mittelalterlichen Menschen zu Gott und den Schutzpatronen der Heimat veranlasste sie das Bild der Schutzheiligen auf der Fahne abzubilden. Der Schutzheilige wurde sozusagen als Talisman mit in die Schlacht genommen. König Heinrich z.B. soll im 10. Jh. unter dem Bild des Erzengels Michael gekämpft haben. Die Entwicklung des Heiligenbanners wurde im Rittertum dort weitergeführt, wo ein besonderes Gemeinschafts- und Zusammengehörigkeitsgefühl zum Ausdruck gebracht werden sollte.  

Mit dem Untergang des Rittertums ging die Wehrverfassung der mittelalterlichen, deutschen Städte auf die Zünfte und Gilden über. In dieser Zeit, etwa um 1250, sind auch die meisten Bruderschaften entstanden, die Flagge zeigten zum Schutz der unmittelbaren Heimat vor marodierenden Gruppen von Söldnern und Landsern, die meistens gut bewaffnet waren. Aber auch zum Schutz der Sitte hatten die Bruderschaften im Gemeinwesen des ausgehenden Mittelalters begonnen, Recht zu sprechen und Anstands- bzw. Verhaltensregeln aufzustellen, die bei sog. "Sendgerichten" durchgesetzt wurden. Nicht zuletzt verstanden sich die Gilden auch zum Schutz des christlichen Glaubens und zeigten Flagge bei Prozessionen und Wallfahrten.  

Im weiteren Verlauf der Geschichte verloren die Bruderschaften an gesellschaftspolitischer Bedeutung, allein schon deswegen, weil sie mit Beginn des 18. Jh. nicht mehr alleiniger Träger der Wehrverfassung waren und auch die Zünfte mit der Gewerbefreiheit des beginnenden 19.Jh. zu losen Vereinen herabsanken. Der Symbolwert ihrer Fahnen indes blieb und man brauchte sie bei feierlichen Anlässen und zur Repräsentation.

 

Liebe Gildenfamilie,

Vor zwei Jahren hatten wir beschlossen, eine neue Fahne anzuschaffen. In der Versammlung einigte man sich schnell auf das Motiv des Heiligen Georg im Kampf mit dem Drachen. Von der Paramentenwerkstatt der Abtei Mariendonk bei Kempen  wurde auf Grundlage der Eichenholzfigur des Heiligen Georg aus dem Jahre 1473 (Maria-Magdalena Kirche) eine Entwurfzeichnung erstellt, für die Rückseite wurde das Gocher Stadtwappen gewählt. Die Stadtfarben Blau und Gelb wurden als Grundfarben vorgegeben. Nach einer Überarbeitung des Entwurfes wurde dann im vergangenen Jahr die Fahne in Auftrag gegeben.

In mühevoller Handarbeit webten und nähten die Schwestern der Paramentenwerkstatt, die Fahne. Der Grundstoff, der sehr robust ist, besteht aus handgewebter blauer und gelber Seide. Die kunstvollen Stickereien wurden in Handarbeit aus Seide-. Baumwoll- bzw. Viskosegarn in ca 170 Arbeitsstunden erstellt. Die Seiten wurden mit Goldfransen verziert, um ein besonderes prächtiges Aussehen zu erreichen.

In der Geschichte der Gilde hat die Vereinsfahne immer einen eigenen Platz eingenommen. Schon in den Statuten von 1592 ist verzeichnet, „dat Fendelen in eehren tho halden ock dat alde gebruck sij “ (die Fahne in Ehren zu halten, weil das so alter Brauch ist) und dass Unstimmigkeiten unter den Schützen beizulegen sind, bevor mit der Fahne aufgezogen wird.

Das die Fahne etwas besonderes ist, wird auch durch eine Fahnenweihe hervorgehoben. Die Fahnenweihe ist eine mit einem kirchlichen Akt verbundene Zeremonie vor der Übergabe an den Fahnenträger. Fahnenträger waren und sind Mitglieder, an die besondere Anforderungen gestellt wurden. Ich möchte an dieser Stelle den amtierenden Fahnenträgern aber auch deren Vorgängern im Amt einen herzlichen Dank dafür aussprechen, dass sie zur Verfügung stehen wenn die Gilde mit der Fahne aufzieht und wenn es darum geht Flagge zu zeigen.  

Unsere Bruderschaft zeigte und zeigt auch heute noch Flagge aus dem Bekenntnis heraus zur:

Bewahrung des Glaubens:

Wir sind eine freiwillige, kirchlich orientierte Vereinigung, in der die Werte des christlichen Glaubens bejaht und Verbundenheit für die Gemeinschaft nach innen und außen gepflegt werden. Die Namensanfügung des Hl. Georg als Schutzpatron unterstreicht diese Qualität und fordert alle immer wieder neu heraus, Bereitschaft zum Ausgleich untereinander zu zeigen. Es geht also um Gott, um Religion und um Kirche. Es geht nicht allein um die Erfüllung von Pflichten, sondern es wird vielmehr gefordert auch Zeichen zu geben. Eine Verbundenheit mit der Kirche wird z.B. dargestellt, dass während der feierlichen Festgottesdienste die Fahne am Altar aufgestellt wird und bei der Wandlung wie beim Segen, als äußeres Zeichen einer christlichen Verbundenheit, gesenkt wird. Die Teilnahme an den Gottesdiensten und Schützenmessen, die Beteiligung an kirchlichen Prozessionen oder die Begleitung eines Gildenmitgliedes auf seinem letzten Weg sind ebenfalls solche Zeichen.  

Unsere Bruderschaft zeigte und zeigt auch heute noch Flagge aus dem Bekenntnis heraus zur:

Bewahrung der Sitten:

Wir bekennen uns zu Werten, die bei vielen Menschen nicht mehr hoch im Kurs stehen. Treue, Verantwortung, Gerechtigkeit, Menschlichkeit, Mut, Kontinuität und Festkultur. Es ist m.E. lohnenswert das Bewährte von Gestern über das Heute nach Morgen zu beerben, um die kulturelle Struktur unseres Gemeinwesens bunt zu erhalten. Zum Thema Festkultur muss ich an dieser Stelle jedoch anmerken, dass diese heute bei den Gocher Schützenvereinen überwiegend außerhalb der Öffentlichkeit stattfindet. In früheren Zeiten war das anders. Die Schützen- und Kirchweihfeste der Gocher Schützenvereine waren überragende Ereignisse im Jahreskreis, an denen die Bürgerschaft in großer Zahl teilhatte, dies belegen unsere alten Aufzeichnungen. Heute finden die Vereinsfeiern in Sälen und relativ kleinem Kreise statt. Wann, so frage ich, hat in Goch zuletzt ein Schützenumzug stattgefunden, den man auch als solchen bezeichnen kann. Dabei wäre es doch so wichtig "Flagge zu zeigen", auch und besonders nach außen hin. Vielleicht, das möchte ich hier mal anregen, sollten sich die Vorstände der Gocher Schützenvereine mal zu diesem Thema zusammensetzen, denn gemeinsam ließe sich sicherlich mehr bewirken.  

Unsere Bruderschaft zeigte und zeigt auch heute noch Flagge aus dem Bekenntnis heraus zur:

Bewahrung und Schutz unserer Heimat:

In einer Zeit des "Überall-Dabei-Sein-Könnens" ist es gut irgendwo sein "Zuhause" zu haben. Das ist die Summe aller persönlichen Erfahrungen von Elternhaus, Nachbarn, Schule, Feld und Wald, Menschen, Landschaft und Tieren. Es ist ein überschaubarer Raum, der Geborgenheit schafft und Identität verleiht. Wir bekennen uns zu dieser Heimat. Unsere Gewehre symbolisieren nach wie vor den Schutzauftrag, Flagge zu zeigen und das öffentliche wie private Leben mit christlicher Kultur zu beeinflussen.  

Liebe Gildenbrüder und -schwestern, verehrte Festgäste,

aus diesem Verständnis heraus hat der Bund der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften das Vorgenannte in dem Wahlspruch "Für Glaube, Sitte und Heimat" zusammengefasst.  

Lasst uns als christlicher Verband dafür Flagge zeigen, d. h. deutlich und wahrnehmbar Position beziehen und nicht anderen das Feld überlassen.  

Lasst uns dafür Flagge zeigen. Wenn wir eine Gemeinschaft in unserer schönen Heimatstadt sein wollen, die sich an diesen Sinngebungen orientiert, also das ganze Jahr  

füreinander, miteinander und nebeneinander  

da sein wollen, dann ist das nichts Modernes und nichts Neues, es ist in unserem Fall schon mindestens 410 Jahre alt und war stets Richtschnur unseres Handelns bzw. natürlich des Handelns unserer Vorfahren.  

Lasst uns dafür Flagge zeigen, denn wenn - Glaube mit Terror - und - Gottes Liebe mit Krieg - vertauscht werden, braucht es Zeugen, die unsere Ideale vertreten und den Menschen weitergeben.  

Lasst uns dafür Flagge zeigen, so wie es der Hl. Georg vorgemacht hat. Mutig den Glauben bezeugen und die Schwachen schützen.  

Dafür möge unsere schöne, neue Fahne noch lange wehen! Gott schütze und bewahre unsere Bruderschaft!  

 

Hauptmann Hermann Bäcker